Formalisierte Stasi-Veranstaltung im Zeichen von Margenta
Weiter ging es Samstag Abend im T-Mobile Forum mit Tunes On Screen IV.
Das Konzept versprach eine fette Party mit tollen DJs und VJs, auf das ich mich die ganze Woche schon gefreut hatte. 20 Euro VVK=AK! erschienen mir dafür auch ein angemessener Preis zu sein.
Leider wurde ich von der Telekom mehr als vor den Kopf gestoßen, so dass die durchaus gute Musik an diesem Abend weit in den Hintergrund rückte.
Daher möchte ich vorweg auch nur kurz auf die Künstler eingehen.
Der Beau Michi Beck ließ die Plattenteller tanzen und heizte in dem bei weitem nicht ausverkaufen T-Mobile Forum ordentlich ein - soweit es ging, unten mehr dazu. Mit teilweise schon experimentellen , exotischen Untemalungen variierte er die Geschwindigkeiten und Beats und spielte mit dem Publikum. Man merkte ihm seine 41 Jahre nicht an und hatte das Gefühl, dass er genauso frisch und spritzig wie zu Beginn seiner Karriere war. Daneben ging sein Partner Thomilla geradezu unter, was sich auch darin äußerte, dass der Dancefloor schlagartig leerer wurde, wenn er die Mischpulte übernahm und Michi Beck sich dem hinter dem Mischpult bereitgestellten Champagner witmete. Ein bisschen albern war dabei, dass einer der Beisitzer auf der Bühne die ganze Zeit mit dem Moët & Chandon - Karton wedelte, als wolle er sagen, seht her ich habe es geschafft: ich sitze mit bekanten Menschen auf der Bühne und trinke auf eure Kosten Champagner.
Die Gebrüder Schwarz (Tiefschwarz)erfüllten meine Erwartungen voll und ganz. Sie versuchten mit aller Macht der Musik die Menschen in der Halle zu halten. Leider vergeblich, denn hier machte sich der Altersdurchschnitt und die Güte des Publikums bemerkbar. Während bei angesagten Veranstaltungen mit DJs dieser Klasse nun allmählich der Höhepunkt kommen sollte, verließen die meisten der Mittdreißiger nun die Veranstaltung um noch etwas essen zu gehen (so sahen sie zumindest aus) oder sich ihren Schönheitsschlaf abzuholen (sie sahen zumindest so aus, als hätten sie es nötig).
So genossen nur noch ein paar dutzend Zuhörer die extatischen Minimalbeats der In-DJs.
Kurzum, an der Musik gab es nichts auszusetzen.
Anders als an der Veranstaltung an sich.
1. Der Kummer begann bereits vor der Veranstaltung, als wir auf dem Vorplatz unser Wegbier austrinken wollten. Kaum hatten wir das Gelände betreten kam schon ein adipöser Sicherheitsbeamter und bat uns vom Gelände mit dem Argument: Ihr trinkt doch auch kein mitgebrachtes Bier im Lokal. Nein, meinte ich, aber vor dem Lokal. Daraufhin zeigte sich ein Schweißerle auf seiner Stirn und er packte das Todschlägerargument aus: Äh ja, aber ihr trinkt ja auch kein selbst mitgebrachtes Bier im Biergarten. Ich verkniff mir den Kommentar, dass ich mein selbst mitgebrachtes Bier aber stets vor dem Biergarten trinke, immerhin wollte ich ja noch rein und er sah nicht aus, als verstünde er Spaß.
2. An der strengen Eingangskontrolle, wie ich sie eigentlich in dieser Form nur von großen Konzerten und der Einreise in die USA kenne, wurden ich nicht nur abgetastet, sondern musste sogar meine Taschen leeren und meinen Tabak öffnen.
3. Zwei von uns sollten ihr Kameras an der Garderobe abgeben, an der jegliche Haftung ausgeschlossen war (rechtlich absolut unzulässig, denn sonst wäre die Haftung sogar für vorsätzlich Beschädigungen des Personals ausgeschlossen!) und durften sie dann großzügiger Weise doch mit rein nehmen.
4. Die Getränke konnten nur mit Bons bezahlt werden, eigentlich immer ein Indiz für richtig schlechte Dorffeste. Ein Bier kostete 2 Bons, 1 Bon kostete 2 Euro, was nicht günstig ist, aber ok.
5. Das Telefonieren außer im T1-Netz war in der Halle unmöglich, alle anderen Netzen waren gesperrt.
6. Auf 10 Konzertbesucher kam ungefähr ein Security-Mann. Sie standen im zwei Meter-Abstand um die Halle herum, dazu an jeder Tür zusätzlich zwei, am Eingang 10 und selbst vor den Toiletten 3 Stück. Das ist meiner Meinung nach total übertrieben, vor allem, wenn man sich die Schlaftabletten im Publikum angeschaut hat, von denen man nicht einmal eine Formalbeleidigung hat erwarten müssen.
Aber die Sicherheit war offensichtlich auch gar nicht der Grund für das massive Aufgebot von Sicherheitsbeamten, sondern vielmehr die Verhinderung von Urheberrechtsverstößen.
Kaum hatte pheelmore es nämlich gewagt ein Foto von Michi Beck zu machen, hatte ihn auch schon der Security Mann vom Vorplatz am Schlafittchen und zog ihn vor die Türe um ihn die Bilder löschen zu lassen. Nach eigener Aussage auf Wunsch der Künstler! Vor der Bühne standen zur gleichen Zeit mindestens 20 Leute mit einer Kamera und zudem etliche mit Handycams! Das Problem, war wohl nach Aussage der Veranstalter, dass die Kamera zu professionell aussah und man damit rechnen müsse, dass die Bilder gewinnbringend verkauft würden.
Obwohl das Verbot und Film und Foto auf Konzerten mittlerweile leider Usus ist hat mich die Härte, mit der der Veranstalter Telekom auf diesem Konzert aufgetreten ist derart abgeschreckt, dass ich dort wohl nicht mehr hingehen werde, auch wenn es einer der wenigen Orte in Bonn ist, an dem gute Musi gespielt wird (abgesehen von den Konzerten auf der Museumsmeile im Sommer).
Diese Veranstaltung der Telekom um vermeintlich neue junge Kunden anzusprechen ging gründlich in die Hose. Die Telekom hat damit nicht mehr als gründlich unter Beweis gestellt, dass die Kontroll-Praktiken innerhalb des Unternehmens anscheinend nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Kunden betrifft. Mit einem Konzern, der sich derartiger Stasi-Maßnahmen bedient habe ich keine Lust Geschäfte zu machen und rate jedem, der noch einen Hauch von Interesse an seiner Privatssphäre hat, davon ab, sich von der Telekom kontrollieren zu lassen.
Wer jetzt meint, dies alles sei doch normal für derartige Veranstaltungen, dem kann ich nur widersprechen und zum Beispiel auf die O2 World on Tour verweisen. Ich war bei den Chemical Brothers in Köln. Dort gab es keine Eingangskontrollen, es kostet keinen Eintritt, Fotos waren erlaubt, die Getränke konnten bar bezahlt werden und man konnte weiterhin in alle Netze telefonieren. Das Konzert war absolut friedlich und die Lightshow atemberaubendend (im Gegensatz zu vorgestern, ich habe ganz vergessen darauf einzugehen, weil sie so unbedeutend war). Danach habe ich keinen gehört, der nur ein Wörtchen an Kritik verloren hatte.
Für mich war es auf jeden Fall das letzte Mal und ich kann nur jedem raten, der sich ein wenig Stolz erhalten will, auf Veranstaltungen der Telekom zu verzichten!